Man kann es nicht jedem recht machen

Viele Menschen haben das Bedürfnis es jedem recht machen zu wollen und verzweifeln oft daran. Immer wieder versuchen sie den anderen Gefallen zu tun und vergessen dabei, das was sie eigentlich im Leben erreichen möchten und wie sie sich vorstellen ihr Leben zu leben. Durch das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse und der Rücksichtnahme auf die Meinung der anderen werden sie unzufriedener und unglücklicher. Es jedem recht machen zu wollen kann zu einem Teufelskreis werden aus dem man nur schwer herauskommt und sich selbst dabei vergisst.

 

Das es gar nicht funktionieren kann, es jedem recht machen zu wollen, soll diese kurze, indische Geschichte veranschaulichen:

 

Der Vater, der Sohn und der Esel

 

Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagshitze durch die staubigen Gassen. Der Vater saß auf einem Esel, den der Junge führte.

 

Sie kamen an einem Mann vorbei. Dieser sagte: "Der arme Junge! Seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten, während der Vater faul auf dem Esel sitzt und sich tragen lässt. Das arme Kind!"

 

Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen.

 

Gar nicht lange, da erhob sich eine Frauenstimme: "So eine Unverschämtheit. Sitzt doch der Bengel auf dem Esel wie ein Sultan, während sein armer, alter Vater nebenher läuft!"

 

Die Worte schmerzten dem Jungen und er bat seinen Vater sich zu ihm auf den Esel zu setzen. So ritten sie beide weiter den Weg entlang auf dem Esel bis eine schleierverhangene Frau laut aufschrie, als sie sah, dass beide auf dem armen, verschwitzten Tier saßen. "So eine Tierquälerei!", rief sie laut mit spitzer Stimme.

 

Vater und Sohn schauten sich an, stiegen rasch vom Esel ab und gingen schweigend neben dem Tier her, bis sich ein Fremder über sie lustig machte: "Schaut euch die beiden Dummen an. Gehen schwitzend in der Mittagshitze neben dem Esel her, anstatt sich von ihm tragen zu lassen! Wozu führt ihr den Esel neben euch her, was nutzt euch das Tier, wenn ihr nicht darauf reitet?"

 

Der Vater tränkte den Esel am nächsten Brunnen, schob ihm ein Büschel Stroh in den Mund, legte seinem Sohn die Hand auf die Schulter und meinte ruhig lächelnd: "Siehst du Sohn, gleichgültig was wir machen, es findet sich immer jemand, der nicht damit einverstanden ist, deshalb tun wir am Besten das, was wir für richtig halten!" (Nossrat Peseschkian)