Wir schreiben uns vieles von der Seele; in Tagebüchern, in Form von E-Mails, via Twitter, facebook, Whats App etc.

 

Dabei erleichtert das Schreiben oft den Umgang mit unseren Gefühlen und dient so  als besonders hilfreiche Bewältigungsstrategie, denn Schreiben ist ein aktiver Prozess und verhilft Ihnen sofort zu handeln und sich auf schöpferische, kreative Weise mit Ihrem Anliegen auseinanderzusetzen.

 

Beim Schreiben geht es um die kreative, bewusste, schriftliche Verarbeitung von Gefühlen, Emotionen, Stress, Erlebnissen oder der eigenen Lebensgeschichte. Dazu muss kein Krankheitswert oder eine Belastung vorliegen, sondern es geht darum das Schreiben als Weg zur persönlichen Weiterentwicklung zu nutzen.

 

Beim Therapeutischen Schreiben hingegen geht es stets um die schriftliche Verarbeitung von belastenden Themen, Gefühlen, Erlebnissen oder Konflikten.

Empfehlenswert ist therapeutisches Schreiben für jeden, der sich tiefergehend mit sich selbst auseinandersetzen möchte und sich dazu emotional in der Lage fühlt.

Facts zum therapeutischen Schreiben:

  • Schreiben kann ein heilsamer Prozess sein und als besonders hilfreich erlebt werden.
  • Die gedankliche Auseinandersetzung und die genaue Problembeschreibung schafft Distanz, die zur Klärung hilfreich sein kann.
  • Etwas zu benennen und niederzuschreiben ist ein aktiver Prozess, der Klarheit und Struktur schafft.
  • Durch das Schreiben ist es leichter, dem Problem Raum zu geben, ohne zu bewerten, zu vergleichen und ohne jeglichen Zeitdruck.
  • Beim Schreiben sind auch Unterbrechungen möglich, bzw. oft besonders hilfreich.
  • Schreiben kann im eigenen Rhythmus stattfinden, so bleibt genug Zeit zum Nachdenken, Nachlesen und Reflektieren.
  • Schreiben dient der eigenen Psychohygiene und trägt somit zur Persönlichkeitsentwicklung bei.
  • Zu Schreiben kann eine hervorragende persönliche und leicht nutzbare Ressource sein.

Expressives Schreiben ist eine von Psychologieprofessor James Pennebaker bereits in den 1980er-Jahren entwickelte Schreibintervention zur Bewältigung von emotionalen Belastungen und Traumata und zur Stärkung der allgemeinen Resilienz.

 

Pennebaker forscht und unterrichtet an der Universität Texas. Er gehört zu den renommiertesten Wissenschaftlern auf dem Gebiet des therapeutischen Schreibens, vor allem des Schreibens zur Bewältigung von Traumata.


Kurzanleitung von Pennebaker:

“Finde einen ruhigen Ort. Nimm dir 20 bis 30 Minuten Zeit, um dich mit deinen tiefsten Gefühlen und Gedanken auf ein Ereignis in deinem Leben zu fokussieren, das dich belastet oder aufwühlt. Welches Ereignis du auch immer aussuchst, es ist entscheidend, dass du deine Erwartungen loslässt und wirklich deine ehrlichen Gefühle und Gedanken erforschst. Schreib kontinuierlich, ohne Unterbrechung und kümmere dich nicht um Rechtschreibung, Grammatik oder Stil.

 

Warnung: Viele Menschen berichten, dass sie sich direkt nach dem Schreiben manchmal traurig fühlen Diese Traurigkeit verschwindet in der Regel nach einigen Stunden. Wenn du bemerkst, dass dich dein Schreiben extrem aufwühlt, höre auf zu schreiben oder wähle einfach ein anderes Thema.”

(Quelle: http://schreibenwirkt.de/expressives-schreiben/#anleitung)

Wenn du glaubst, dass du dein Thema ausreichend erarbeitet hast, kannt du die Blätter feierlich verbrennen oder im Garten vergraben. Vielleicht bewahrst du den Text auch an einem besonderen Ort auf um ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder hervorzuholen. Über eine gewisse Zeitspanne hinweg kann sich das Erleben verändern und du möchtest vielleicht weiter an deinem Text arbeiten.


Im Unterschied zum expressiven Schreiben, bei dem der Klient selbst schreibt, ist mit der Bibliotherapie das Lesen von empfohlender Literatur gemeint.

 

Die Bandbreite reicht von Selbsthilfe- oder Fachliteratur, über das Lesen von Lyrik oder Prosa bis hin zu Texten, die von anderen Patienten (z. B. im Rahmen einer Schreibgruppe) verfasst wurden oder als „Schicksalsberichte“ gedruckt vorliegen.

 

Der Psychotherapeut Nossrat Peseschkian (1976) hat im Rahmen der von ihm entwickelten Positiven Psychotherapie Klienten häufig fiktive Geschichten angeboten. Er ging von folgenden Mechanismen aus, die eine Entwicklung bei Klienten durch das Lesen der Geschichten anregen:

  • Klienten können sich mit der Geschichte identifizieren
  • Sie erkennen dadurch eigene Probleme oder Bedürfnisse
  • Die Geschichte zeigt modellhafte Lösungswege
  • Die Bildhaftigkeit von Geschichten macht sie gut versteh- und erinnerbar 
  • Geschichten bieten eine milde Art von Konfrontation
  • Geschichten bilden transkulturelle und traditionsübergreifende Wertvorstellungen ab.

Letztlich kann Bibliotherapie auch als “Lernen am Modell” verstanden werden. Das Lesen kann neue Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.

(Quelle: https://schreibpraxis.wordpress.com/2014/12/01/bibliotherapie/)

"Schreiben ist Kommunikation mit dem Unaussprechlichen"

(Max Frisch)